Nach dem Lockdown: Leistritz brilliert mit Beethoven bei „Schönberger Musiktagen“

Nach der durch die Corona-Pandemie erzwungenen Kulturveranstaltungs-Pause eröffnete der Kulturverein Probstei am Donnerstag dem 17. Juli 2021 das Schönberger Konzertleben nach der Lockdown-Phase im Rahmen der Schönberger Musiktage 2021. Eigentlich waren in diesem Rahmen für 2020, dem Beethoven-Jahr, zwei Veranstaltungen des Kulturvereins geplant, die dann im letzten November doch kurzfristig abgesagt werden mussten.

Mit Hartmut Leistritz, einem international erfolgreich tätigem Pianisten aus Berlin, konnte der Verein einen hochkarätigen Künstler aus dem Bereich der klassischen Klaviermusik gewinnen. Am Vortag war Leistritz, der schon öfter in Schönberg gastiert hatte, zu Gast beim von der Kulturabteilung der Gemeinde im Rahmen von „Schönberg Kulturell“ veranstalteten „Schönberg Talks“ zu Gast.

Leistritz gab einen Klavierabend ausschließlich mit Beethoven-Sonaten. Er ist ausgewiesener Beethoven-Spezialist, der alle 32 Klaviersonaten des Komponisten im Programm hat. Diese Beethoven Klaviersonaten gehören zu den anspruchsvollsten Kompositionen der Klavierliteratur. Trotz der feuchten Hitze dieses bis dahin heißesten Tages des Jahres, die weder am Publikum, dem Interpreten noch dem alten Bechsteinflügel spurlos vorüberging, wurde dieses ein herausragender Konzertabend.

Leistritz startete mit der Sonate „Pathetique“ Nr.8, Op. 13 in c-moll mit dem bekannten Kopf- und Mittelsatz aus dem Jahre 1798. Mit atemberaubendem Tempo gestaltete Leistritz den bei vielen Pianisten gefürchteten ersten Satz mit seinen treibenden Oktav-Tremoli in der linken Hand, der streckenweise schon wie die Vorwegnahme von Rockmusik fast 200 Jahre später wirkt. Auch das zweite Werk des Abends die sogenannte „Pastorale“, die 4-sätzige Sonate Nr. 15, Op. 28, in D-Dur präsentierte Leistritz trotz ihrer kompositorischen Zerrissenheit in herausragender gestalterischer Klarheit mit technischer Präzision.

Nach der Pause erklangt zunächst die kurze, nur ca. 10 Minuten dauernde Sonate Nr. 25 G-Dur, Op. 79, die Beethoven selbst als Sonatine bezeichnete und im Jahre 1809 erschienen ist.

Auch diese Sonate ist dreisätzig und zeichnet sich durch Virtuosität in Verbindung mit schlichter Schönheit aus. Den Abschluss und Höhepunkt des Abends bildete sodann die als „Appassionata“ bezeichnete Sonate Nr. 23, Op. 57  in f-moll. Diese etwa 25 Minuten dauernde ebenfalls drei-sätzige Sonate hat  kraftvolle, hochvirtuose Ecksätze, die Leistritz mit müheloser Souveränität meisterte. Man wurde in die musikalische Erzählung förmlich hineingesogen. Der langsame zweite Satz mit seiner schlichten, schönen Melodie, welche variationsartig weiterverarbeitet wird, geht nahtlos ohne Pause in den Schlusssatz über. Leistritz wurde mit frenetischem Applaus und stehenden Ovationen bedacht. Als Zugabe spielte er zusammen mit einem Mitglied des Kulturvereins die einzige 4-händige Sonate des Komponisten, Op. 6, einem Jugendwerk in D-Dur. Das Publikum, welches auch aus der weiteren Region gekommen war und teilweise auch aus  touristischen Gästen bestand, war offensichtlich vollauf zufrieden. Ein solcher Abend verlangt nach Wiederholung.

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